Werte, die bleiben. Glaube Liebe Hoffnung
Manches geht uns unter die Haut, es zeichnet uns – und es zeichnet uns aus.

Wir haben Schülerinnen und Schüler der Grafik-Schule in Lahr gefragt, wie sie das Reformationsjubiläum darstellen würden.

Jens Oehler: Glaube-Liebe-Hoffnung

Auf dem Bild sehen Sie das Motiv von Jens Oehler, das den ersten Preis gewonnen hat. Glaube, Liebe und Hoffnung sind nicht nur Accessoires oder Schmuckstücke, die wir nach Belieben tragen oder ablegen können. Glaube, Liebe und Hoffnung sind uns als Christinnen und Christen eingezeichnet. Was das konkret bedeutet, muss natürlich diskutiert, errungen und gewagt werden.
Und für eine Welt gestritten werden, die sich aus Glaube, Liebe und Hoffnung gestaltet und nicht aus Angst, Hass und Resignation. In den Angeboten der Evangelischen Erwachsenenbildung finden Sie Gelegenheit, sich auf Glaube, Liebe und Hoffnung zu beziehen, zu besinnen, und als solchermaßen gezeichnete die Welt zu gestalten. Insofern kann das Gedenken an Martin Luther und die Ereignisse vor 500 Jahren uns Mut machen, für unsere heutige Zeit nach christlichen Werten zu fragen.

Glücklicherweise sind wir damit nicht allein. Oft planen wir solche Angebote in Kooperation mit anderen Bildungsträgern und Vereinen. So haben wir das Offenburger Netzwerk Nachhaltigkeit, ONN, gegründet, in dem wir zusammen mit dem Katholischen Bildungszentrum, der Volkshochschule Offenburg, dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Ortenau, der Bürgerinitiative Umweltschutz Offenburg und der Klimabeauftragten der Stadt Offenburg zusammenarbeiten. Mit vereinten Kräften bieten wir Veranstaltungen an, in denen wir uns mit einem nachhaltigen Lebensstil und einer schöpfungsgerechten Politik auseinandersetzen – und pflegen auf diese Weise unsere Hoffnung auf eine gerechtere Welt.
Claudia Roloff, PfarrerinWir freuen uns, wenn für Sie etwas dabei ist und Sie dabei sind, wenn Sie Ihre je eigene Weise zu glauben, zu lieben und zu hoffen mit anderen ins Gespräch bringen. Inwiefern Sie dabei sogar Anspruch auf Bildungszeit haben, erklären wir Ihnen gerne im direkten Gespräch.

Seien Sie herzlich gegrüßt, auch im Namen von Evelyn Rusch, Katharina Lindner und Isabel Kimmer,

Ihre Claudia Roloff
Mehr als nur Worte . . .
Glaube – Hoffnung – Liebe: das sind Hauptworte. Solche Worte schreibt man groß. Wir können aber auch Tunworte daraus machen oder Redeworte.
Das geht dann so:
Glaube als Redewort heißt "widersprechen": den Anforderungen und Erwartungen anderer an uns, aber auch den eigenen überhöhten Ansprüchen, die wir an uns selbst haben.
Hoffnung als Redewort heißt "versprechen": wir versprechen uns etwas von anderen Menschen und von der Welt, andere können sich von uns versprechen, dass die in uns gesetzten Erwartungen erfüllt werden.
Liebe als Redewort heißt "entsprechen": wir entsprechen dem anderen Menschen, dem Gegenüber ebenso wie den Dingen, mit denen wir umgehen.
Hauptworte schreiben wir groß, die Tunworte dagegen klein.
Aber manchmal kommen die Kleinen ganz groß heraus:
Indem wir widersprechen, versprechen und entsprechen vollziehen wir unser menschliches Leben. So werden Glaube, Hoffnung und Liebe als Tunworte zu den Erkennungszeichen des Menschseins überhaupt.
Hans-Georg Dietrich, Schuldekan
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Umwertung aller Werte
Ein Mensch von gründlicher Natur
Macht bei sich selber Inventur.
Wie manches von den Idealen,
Die er einst teuer mußte zahlen,
Gibt er, wenn auch nur widerwillig,
Weit unter Einkaufspreis, spottbillig.
Auf einen Wust von holden Träumen
Schreibt er entschlossen jetzt:
"Wir räumen!"
Und viele höchste Lebensgüter
Sind nur mehr alte Ladenhüter.
Doch ganz vergessen unterm Staube
Ist noch ein Restchen alter Glaube,
Verschollen im Geschäftsbetriebe
Hielt sich auch noch ein Quentchen Liebe,
Und unter wüstem Kram verschloffen
Entdeckt er noch ein Stückchen Hoffen.
Der Mensch, verschmerzend seine Pleite,
Bringt die drei Dinge still beiseite
Und lebt ganz glücklich bis zur Frist,
Wenn er noch nicht gestorben ist.
Eugen Roth
 
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Ich glaube . . .
Verschiedenste Menschen im Alter zwischen 18 und 85 Jahren melden sich an. Eines haben sie gemeinsam:Sie wollen sich taufen lassen! Wir bieten ihnen einen Taufkurs für Erwachsene an. Der christliche Glaube ist für die meisten von ihnen schon immer ein Teil ihres Lebens. Doch konnten sie sich bisher nicht taufen lassen, weil sie aus einem Land der ehemaligen Sowjetunion kommen, aber deutsche Wurzeln haben. Glauben und Heimat gehören für sie untrennbar zusammen. Heimat hier auf Erden, aber auch die zukünftige Heimat im kommenden Reich Gottes. So haben sie es noch von ihren Großeltern gelernt. Aus anderen Ländern melden sich auch einige Menschen an. Sie wollen Christ*innen werden. Sie kamen als Flüchtlinge zu uns und entstammen einer anderen Religion. Wieder andere waren bisher gar nicht an eine Glaubensgemeinschaft gebunden. Im Laufe des Kurses zeigt es sich, wie vielfältig Glaubensausprägungen und Glaubensvorstellungen von Menschen sein können. Die Teilnehmer*innen versuchen nun selbst zu formulieren, was der christliche Glaube für sie bedeutet und welche Hoffnung sie damit verbinden:
Glauben ist:
  • aufgehoben sein bei Gott
  • Vertrauen auf Mehr als das, was das irdische Leben vermag
  • sich ausrichten auf Gott
  • sich rückverbinden
  • Hoffnung darauf, dass mit dem Tod nicht alles vorbei ist
  • wird als Geschenk erfahren
  • Heimat
  • ich bin nicht allein
  • gemeinsam mit anderen unterwegs sein
  • ich bin gefragt
Das Letztgenannte ist für die meisten das Besondere: selbst gefragt zu sein. Und es wird spürbar, dass Glauben an diese größere Wirklichkeit zu einem Leben im größeren Zusammenhang verhelfen kann. Im Gespräch miteinander wächst das Verständnis für Verschiedenheit und die Freude daran, miteinander auf dem Weg zu sein.
Gabi Schmidt-Geiger
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LIEBE
In der jüdischen Mystik gibt es einen schönen Gedanken, die Idee vom Zimzum.
Diese Geschichte geht so:

Ganz am Anfang war Gott alles, Gott hat den ganzen Raum erfüllt – es gab nichts, außer Gott. Da beschloss Gott, einem anderen Sein neben sich Platz zu machen und so musste Gott sich zusammenziehen - Zimzum - sich zurücknehmen, damit ein anderes Sein neben ihm Platz hat. Die Schöpfung ist das Platzmachen für etwas anderes, für die Welt, für die Menschen.
Das ist die schönste Definition von Liebe die ich kenne:

Lieben heißt einem anderen Wesen Platz machen. Platz in meinem Leben, in meiner Zeit, meinen Gedanken, meinem Haus, an meinem Tisch, in meinem Bett, meinem Auto, meinem Garten, meiner Arbeit, . . . Und jeder, und jede, die das tun, gibt damit auch etwas von sich selbst preis.

Wenn ich die vielen, ganz verschiedenen Menschen hier der Kirche sehe, die von ganz verschiedenen Orten hergekommen sind – dann können wir ahnen, wie vielen Menschen Frank Heck in seinem Leben Platz gemacht hat. (. . .)

Der alte Gedanke vom Zimzum, von der Selbstzurücknahme Gottes redet nun davon, dass Gott für uns Platz macht. Den Konfirmationsspruch von Frank Heck aus Jesaia 43,1 "So spricht Gott: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen: du bist mein" könnten wir also auch so übersetzen: Fürchte dich nicht - ich habe einen Platz für dich.
Schuldekan Hans-Georg Dietrich in der Predigt zur Trauerfeier um
Pfarrer Frank Heck am 1. Juli 2017 in Nonnenweier
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Liebe
Ein Gespräch über die Liebe zwischen einer älteren Dame und ihrer Betreuerin:
Ich würde gerne wissen, was für dich Liebe ist.
Ich liebe Ruhe, Musik, Lesen. Ich liebe gutes - und gesundes! - Essen und ab und zu ein Glas Sekt. Ich liebe die Blumen, in der Vase oder im Garten, ich liebe die Natur.
Ich liebe die schönen Erinnerungen an früher. Ich liebe Spaziergänge, am besten jeden Tag, aber ich brauche jemanden, der mich im Rollstuhl schiebt - und sich währenddessen mit mir unterhält und meine Gedichte anhört und zu Ende sagen kann. Du machst das oft, das ist für mich Liebe. Ich liebe die Menschen, die mich besuchen, mit denen ich lachen kann, Menschen, die meinen Humor teilen.
Und ich liebe deine Sprüche voller Altersweisheit, wie: "ein schöner Rücken kann jeden entzücken, ein schöner Bauch - auch!"
Ja, ich die Menschen, ich bin unendlich dankbar für jede, die sich um mich kümmert, und für mich da ist, das tut so gut! Vor allem du, du hast einfach Zeit für mich, ich bin dir so dankbar, ich lebe noch so gerne! Und auch die Fußpflege und die Lymphdrainage, das ist mir ein echter Genuss!
Ich empfinde es auch als Liebe, wenn wir fast täglich dein Fotoalbum anschauen. Deine Geschichten von früher kann ich schon auswendig - und doch höre ich sie immer wieder gerne an.
Für mich ist es schön, nach einem so langen Lebensweg einen kleinen Abschnitt mitzugehen, zu lernen, zu singen, viele interessante Geschichten zu hören. Besonders gefällt mir die Geschichte, als du im Treppenhaus von einem Skifahrer überfahren worden bist, der seine Ski zum ersten Mal ausprobierte und dann . . .
Elisabeth Rozycka, notiert von Claudia Roloff
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