In welcher Welt wollen wir leben?
Gute Frage!
Nicht, dass wir eine andere Welt als die unsere zur Auswahl hätten. Umso dringender, diese eine von uns bewohnte Erde zu bewahren, sie pfleglich zu behandeln. Eine große Aufgabe, über die es sich lohnt, gemeinsam nachzudenken und zu diskutieren, das werden wir in der EEB auch im kommenden Semester bei sehr verschiedenen Gelegenheiten angehen.
Die ganze bewohnte Erde - sie wurde schon von den alten Griechen Oikumene genannt: Das gemeinsame Haus. Wir benutzen dieses Wort heute für den gemeinsamen Glauben an Jesus Christus in seinen verschiedenen konfessionellen Ausprägungen. Dabei sind wir uns in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten immer näher gekommen und empfinden als Christinnen und Christen die Herausforderungen ähnlich. So gibt es auch in diesem Programmheft wieder viele Angebote, die wir in enger Kooperation von Katholischem Bildungszentrum und Evangelischer Erwachsenenbildung geplant haben. Diese Ökumenische Kooperation werden wir in den kommenden Monaten noch intensivieren und freuen uns, wenn Sie dabei sind. In diesem Programmheft finden Sie verschiedene Äußerungen zu Ökumene, geschrieben von Menschen aus dem Umfeld der EEB Ortenau. Sie erzählen vom Schmerz über Trennendes und Freude über Gemeinsamkeiten.

Papst Franziskus hat neulich bei der Geburtstagsfeier des Ökumenischen Rates der Kirchen gesagt, Ökumene sei ein Verlustgeschäft. Weil wir immer etwas verlieren, wenn wir aufeinander zugehen. Unsere Eigeninteressen gelte es um der Einheit willen aufs Spiel zu setzen, so der Papst. Schließlich gewinnen wir mit der Einheit eine neue Geschwisterlichkeit. Mal ganz abgesehen von der Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft, die wir als Christinnen und Christen gewinnen, wenn wir das Gemeinsame stärken.

In welcher Welt wollen wir leben? Lassen wir uns darauf gemeinsam Antworten suchen. Als Evangelische oder Katholische, oder einfach als Menschen, die sorgsam und verantwortungsvoll miteinander auf dieser Erde und mit dieser Erde leben wollen. Danke, wenn Sie dabei sind! Sei es in Gedanken und Gebeten, oder bei unseren Veranstaltungen mit Ihren Fragen und Erfahrungen - herzlich willkommen!

Ihre Claudia Roloff

Offene Türen
In unserer Gemeinschaft Sasbacher Koinonia haben wir beim Geistlichen Tag eine Stelle aus dem Epheserbrief betrachtet: "Christus Jesus . . . riss die trennende Wand der Feindschaft in seinem Fleisch nieder." (Eph 2, 14) Schnell ging das Gespräch von der Wand zwischen Juden und Heiden, die der Epheserbrief meint, auf die trennende Wand zwischen Evangelischen und Katholischen. Ich selbst habe solche Feindschaft nie erleben müssen, aber die Trennung ist mir früh bewusst geworden. Als Kind bin ich auf dem täglichen Schulweg an der evangelischen Kirche vorbeigekommen. "Evangelisch" bedeutete für mich damals "irgendwie anders". Da ich in der katholisch geprägten Kleinstadt keine Evangelischen kannte, war der einzige erlebte Unterschied, dass die Kirchentür immer verschlossen ist, wovon ich mich eines Tages selbst überzeugt habe.

Als Jugendlicher wurde ich von einem evangelischen Freund zu einer Zeltmission mitgenommen. Meine Reue und Erschütterung reichten nicht aus, um mit gebeugtem Haupt in die Mitte zu treten und ein Bekenntnis abzulegen. Aber ich interessierte mich für den Briefkurs zum Johannesevangelium, zu dem man sich anmelden konnte. Da in unserer Familie die handlichste Bibel eine Lutherausgabe aus den 1920er Jahren war – mit Goldschnitt und alter Schrift! – kamen mir das Johannesevangelium und die Apostelgeschichte in "evangelischer Sprache" entgegen.

Später nahm ich eine Zeitlang an den Gruppenstunden in der evangelischen Nachbargemeinde teil, wo auch eine Tochter des Pfarrers mitmachte. So etwas gab es bei unsin der KjG nicht! Im Theologiestudium – das ohne den evangelischen Bibelkurs vielleicht nicht stattgefunden hätte – war ich dann aber verwirrt, als von Ökumene die Rede war: Hier waren auf einmal nicht die Evangelischen gemeintsondern in erster Linie die Ostkirchen und die Orthodoxen, mit denen der Bruch viele Jahrhunderte vor der Reformation stattgefunden hatte.

Immer wieder mache ich die Erfahrung, dass der Blick auf "das Fremde" mich selbst und meine Herkunft besser verstehen lässt. Während meines Studienjahrs in Paris wurde ich mir meines Deutschseins stärker bewusst. Und als ich im Religionsunterricht den Buddhismus behandelte, fragte ich mich, welche Riten und Lebenswege wir Christen denn haben. Daraufhin habe ich mich zum ersten Mal zu ignatianischen Exerzitien angemeldet.

In meiner Berufstätigkeit als katholischer Theologe habe ich immer gute Erfahrungen mit evangelischen Kolleginnen und Kollegen machen dürfen – sei es bei den ökumenischen Bibelwochen, beim Schulgottesdienst oder beim gemeinsamen Repräsentieren im "öffentlichen Raum". Vielleicht haben wir in Baden auch besonders gute Ausgangsbedingungen für die Ökumene. Immerhin gilt die badische evangelische Landeskirche weltweit als ein Muster für inner - evangelische Ökumene, weil sich bei ihrer Gründung im 19. Jahrhundert Lutheraner und Reformierte auf ein gemeinsames Bekenntnis, eine Liturgie und lange vor der Leuenberger Konkordie auf eine Verständigung bei der Abendmahlsfrage einigen konnten.

Ein starker Impuls ist für mich bis heute der Zuspruch des damals für die Erwachsenenbildung zuständigen Domkapitulars aus Freiburg bei meiner Einführung ins Bildungswerk. Er meinte: "Wir müssen uns nicht rechtfertigen, wenn wir in der Erwachsenenbildung etwas ökumenisch machen. Wir müssen uns rechtfertigen, wenn wir es nicht ökumenisch machen."
Clemens Bühler, Pastoralreferent, Leiter des Bildungszentrums Offenburg
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Albert Schweitzer im Kloster Offenburg
Der evangelische Pfarrer aus dem Elsass im Frauenkloster "Unserer Lieben Frau" in Offenburg. Der Friedensnobelpreisträger aus dem afrikanischen Lambarene neben der langjährigen Vorsitzenden der Bürgerinitiative BI und Oberin Mutter Martina. Beide begeisterte Organisten.
Natürlich liegen einige Jahrzehnte dazwischen; doch hatten sich ihre beiden Lebenswege in einer Schule in Villingen - Schwenningen gekreuzt und bei Mutter Martina einen tiefen Eindruck hinterlassen. So war es auch das Denken, Wirken und Musizieren von Albert Schweitzer, das vor vier Jahren die Reihe "Albert Schweitzer im Kloster Offenburg" inspiriert hat. Als Mitglied des Ältestenkreis der evangelischen Auferstehungsgemeinde und "Albert-Schweitzer-Freund" bin ich mit dieser Idee bei Mutter Martina und ihren Mitschwestern durch offene Klostertüren getreten. Seitdem fanden drei Benefizkonzerte und zwei Albert-Schweitzer-Ausstellungen in der Kirche und im Kreuzgang des Kloster "Unserer Lieben Frau" statt. Darüber hinaus sprach Mutter Martina bei einem Wochenend-Seminar zu Gewaltfreiheit in der evangelischen Martins-Gemeinde in Lahr und das "Klösterle", der Liebfrauenhof in Fessenbach, entwickelt sich zu einem konfessionsübergreifenden Garten der Begegnung und gemeinsamen Arbeit.
So entstanden und entstehen neue Puzzle-Teile gelebter Ökumene in Offenburg. Viele evangelische Offenburger finden den Weg ins Kloster der Augustiner-Chorfrauen und viele katholische Offenburger entdecken Albert Schweitzer als einen Humanisten und "Ökumeniker" aus unserer Region. Ich freue mich auf viele weitere Begegnungen und Veranstaltungen in diesem offenen Geist der Ökumene.
Stefan Walther, Mitglied im Leitungskreis der EEB Ortenau,
2. Vorsitzender der Stiftung Deutsches-Albert-Schweitzer-Zentrum
 
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Meine Mutter ...
... stammte aus einem katholischen Elternhaus in Ost-Preußen. Mein Vater wuchs in Berlin in einem "preußisch- protestantischen" Elternhaus auf. Die beiden heirateten 1936 und bekamen sieben Kinder. Für meine Großmutter war es nicht leicht, ihre Tochter einem evangelischen Mann anzuvertrauen, Großvater hatte damit kaum Probleme, er teilte mit seinem zukünftigen Schwiegersohn die Begeisterung für die Landwirtschaft, die Jagd, die Pferde und die Musik. Wir Kinder wurden evangelisch getauft und erzogen, meine Mutter konvertierte bei der Taufe ihres ersten Kindes. Das erfuhr meine Großmutter - leider - erst sehr viel später.
Nach Krieg und Vertreibung aus dem Osten versammelten wir uns als Großfamilie in einem Flüchtlingslager in der Lüneburger Heide. Dort war "man" evangelisch, katholischen Religionsunterricht gab es gar nicht! Aber dann und wann gab es in der Friedhofskapelle eine katholische Messe. Dahin gingen wir gerne mit der Großmutter – Opa war leider viel zu früh gestorben. Es war ein weiter Weg zu Fuß dorthin. Begeistert sangen wir Marienlieder, manche kann ich heute noch auswendig singen. In der Schule erfuhr ich mehr über die christlichen Konfessionen.
Meine Großmutter besuchte uns oft, sie feierte gerne alle Familienfeste mit. Am Abend eines Konfirmationsfestes, so erinnere ich, wollte sie aber noch gerne in eine katholische Abendmesse gehen, und sie bat mich, sie zu begleiten. Verschmitzt konnte sie dann sagen: "das war doch die Konkurrenzkirche heute morgen!" Ich erinnere aber keine Auseinandersetzungen die Kirche betreffend. Omas Kirche war "anders" und die Großmutter tat das, was gut für sie war. Sie fuhr auch im Alter zu Exerzitien, und sie hatte immer ein Fläschchen mit Weihwasser in ihrer umfangreichen Handtasche. Sie segnete – unbemerkt - ihre zahlreichen Enkel und Urenkel.
Wenn ich sie besuchte, ging ich gerne mit ihr zur Messe, von der Kommunion aber war ich ausgeschlossen. Ökumene, diesen Begriff kannte meine Großmutter gar nicht, aber ich habe schon früh durch sie erfahren, was uns ökumenisch zu leben lehrt. Sie praktizierte das, was sie für sich brauchte, für mich war sie eine fromme Frau.
Marianne Meyer-Alber, Mitglied im Leitungskreis der EEB
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Neues aus Kindermunde:
Was bedeutet für dich Ökumene ? – Kinder der Klasse 3c der Grundschule Diersheim denken nach.


Ökumene bedeutet, dass es zwei Kirchen gibt. Einmal hat Martin Luther protestiert und es hat geklappt. Jetzt gibt es zwei Kirchen, einmal evangelisch und einmal die katholische Kirche. (Paul)


Ich frage mich, warum früher ein Mann, der zum Beispiel evangelisch war, keine katholische Frau heiraten durfte und umgekehrt. Ich bin froh, dass die Evangelischen heute in eine katholische Kirche gehen dürfen und andersrum. In allen Dörfern früher war das streng verboten, meine Oma hat mir davon schon oft was erzählt. Mein Papa ist evangelisch und kommt trotzdem mit uns in die katholische Kirche. (Elina)


Mit Ökumene verbinde ich: zwei Menschen durften nicht heiraten, wenn sie nicht den gleichen Glauben hatten. Warum sind die evangelischen und katholischen Christen getrennt? . . . ich dachte, Ökumene sei auch eine Religion.. ich war schon einmal in einer katholischen Kirche . . . (Lina)


Ökumene bedeutet für mich wiedervereinen. Also das bedeutet, dass Katholisch und Evangelisch sich wieder vereint. Wieso muss man als Katholischer fast immer ins nächste Dorf fahren, wenn man in den Gottesdienst will? Ich frage mich: Wieso kann man nicht einfach zusammen Gottesdienst feiern? (Mika)


Ich verstehe nicht viel von Ökumene, aber ich weiß, dass es Katholische und Evangelische gibt. Früher durfte eine evangelische Frau keinen katholischen Mann heiraten und umgekehrt. Warum eigentlich? Das verstehe ich nicht! Und warum gibt es bei den Katholiken keine Pfarrerinnen? (Lucy)


Also, ich frage mich, was Ökumene heißt, aber ich habe es schon einmal gehört. [...] Ich frage mich, was der Unterschied ist zwischen evangelisch und katholisch ist. Ich hoffe, dass ich es raus finde. Aber warum können Evangelische und Katholische nicht zusammen in eine Kirche gehen? (Merle)

Ich wurde erst getauft und weiß deshalb noch nicht so viel über die Ökumene. Ich bin im evangelischen Unterricht und habe noch nie eine katholische Kirche von Innen gesehen. (Marc)


Ich bin keine Christin, sondern Muslimin. Ich habe das Wort Ökumene noch nie gehört. Ich habe es als erstes in der Schule bei Frau Krebs gehört. Aber ich bin nicht in Reli. Ich komme aus dem Kosovo und da gibt es Kirchen, weil es dort auch Christen und Katholische gibt. Ökumene bedeutet etwas für die Evangelischen und Katholischen, es bedeutet viel glaube ich. (Anesa)


Ich habe das Wort noch nie gehört. Ich bin Muslim. Ich frage mich immer, wie werden alle zu Moslems oder Christen oder andere Religionen? Ich glaube, jeder hat eine Geschichte gelesen oder etwas über Religion gehört, deswegen gibt es verschiedene Religionen auf der Welt. (Hadi)

gesammelt und notiert von Juliane Krebs,
Mitglied im Leitungskreis der EEB Ortenau
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